SPD Walldürn feiert 80-jähriges Bestehen

"Eine zuverlässige Größe der Kommunalpolitik"

Landtagsabgeordneter Gerd Teßmer gab Einblick in die Geschichte des Ortsvereins - Seit 1922 im Stadtrat vertreten

Mit einem Empfang, in dessen Mittelpunkt der ausführliche Blick des Kreisvorsitzenden MdL Gerd Teßmer auf die Vereinschronik stand, feierte der SPD-Ortsverein in der Begegnungsstätte der Altenwohnanlage sein 80-jähriges Bestehen. Gäste waren unter anderem MdB Brigitte Adler und Bürgermeister Karl-Heinz Joseph.

 

Die Begrüßung führte Ortsvereinsvorsitzender Ralf Beyersdorfer durch. Dabei wies er darauf hin, dass in den zurückliegenden Jahrzehnten aus der einstigen Arbeiterpartei eine moderne Volkspartei wurde, die sich in Walldürn zur positiven Größe entwickelte. Beyersdorfer bezeichnete die SPD als zuverlässige Größe in der Kommunalpolitik.

 

Mit "Freiheit, Gleichheit,' Brüderlichkeit" oder "Nie wieder Krieg" erinnerte Gerd Teßmer an die Leitworte des Gründerjahres 1919. In Walldürn waren es Julius Götz, Josef Heilmann, Theodor Frei, Ferdinand Fieger, Anton Gerold und Josef Schell, die für die SPD tätig wurden. Bereits 1922 war man als "Vereinigte Arbeiterschaft" mit sechs Sitzen für den Stadtrat erfolgreich. Dazu kam noch die "Arbeiterpartei" als Liste mit elf Sitzen (von 48). Damals waren die Arbeiter in Walldürn noch gespalten. 1926 gab es dann die erste reine SPD-Liste. Nun folgte eine Öffnung über die Arbeiterschaft hinaus in bürgerliche Kreise.

 

1929, unter dem Vorsitzenden Heinrich Trunk, wurde der elfköpfige Gemeinderat noch vom Bürgerausschuß gewählt. Die SPD stellte drei Räte: Fridolin Bischof, Heinrich Trunk und Wilhelm Schneider. Josef Heilmann vertrat Walldürn im Bezirksrat des Kreises. Er führte im Wechsel mit Wilhelm Kaufmann und Josef Schell den SPD-Ortsverein.

 

Die politische Arbeit nach dem Ersten Weltkrieg war aber auch Fürsorge für die Bürger mit Vereinsabenden oder Tanzabenden. Auch die Gründung des Reichsbundes wurde maßgeblich von den Walldürner Sozialdemokraten getragen.

 

Teßmer kam zum Jahr 1933, das jede SPD-Aktivität beendet. Dies obwohl SPD und Zentrum 1149 Stimmen, die NSDAP lediglich 845 Stimmen erhielten. Den beiden SPD-Gemeinderäten im zwölfköpfigen Gremium, Franz Gaukel und Wilhelm Kaufmann, wurde das Mandat entzogen. Lehrer Fridolin Bischof und weitere SPD Mitglieder wurden verhaftet.

 

Gleich nach dem Krieg gründeten Josef Heilmann und Dr. Arthur Trautmann die SPD neu. Trautmann, schon von 1925 bis 1929 Bürgermeister von Walldürn, kandidierte erfolgreich für das Amt des Stadtoberhauptes und führte die Gemeindegeschicke bis 1966. Ihm verdanke die Stadt unter anderem die Ansiedlung der Bundeswehr in den Jahren 1957/58, erklärte Teßmer.

 

Bis 1953 führte Josef Heilmann die Walldürner SPD, für ein Jahr folgte Theodor Frei. 1954 übernahm Hermann Gaukel die Geschicke der Walldürner Sozialdemokraten. "Über 20 Jahre übte er dieses Amt aus und war als Kreis- und Stadtrat ein großartiger Kommunalpolitiker", lobte MdL Teßmer. Der Abgeordnete nannte weitere Vorsitzende. So Karl Stumpf ab 1974, der über zwölf Jahre bis 1984 auch Gemeinderat war.

 

Mit Karl-Heinz Joseph habe 1979 in der SPD eine neue Ära begonnen. Er zog 1980 in den Gemeinderat ein, ist seit 1984 Kreisrat und seit 1991 Bürgermeister der Stadt Walldürn. Ihm stand Kreis- und Gemeinderat Herbert Kilian als tatkräftige Stellvertreter zur Seite.

 

Mit dem jetzigen Vorsitzenden Ralf Beyersdorfer wurde der Generationswechsel an der Spitze des Ortsvereins vollzogen. Vieles was in Walldürn geschaffen werden konnte, so Teßmer abschließend, trage auch die Handschrift der SPD. Der Ortsverein sei stark und lebendig genug, auch 100 Jahre und älter zu werden. Stellvertretend für die Leistungen des Ortsvereins zeichnete, der Kreisvorsitzende Ralf Beyersdorfer und Herbert Kilian mit der SPD-Verdienstnadel aus.

 

80 Jahre SPD Ortsverein nannte MdB Brigitte Adler eine stolze Zahl. In Walldürn habe es immer wieder Frauen und Männer gegeben, die sich für die Sozialdemokratie einsetzten. Die SPD sei entstanden in einer Zeit des Umbruchs, aus den Arbeiter-Bildungsvereinen. Dabei habe man sich immer gegenseitig geholfen. Als weitere Wurzeln der Arbeiterbewegung nannte Adler die Arbeiterwohlfahrt, sowie die Gewerkschaften. Adler erinnerte ferner daran, dass es die SPD gewesen sei, die nach den Gedanken von August Bebel den Stellenwert der Frau in der Gesellschaft aufgegriffen habe. Dem Ortsverein Walldürn sei es immer wieder gelungen, engagierte Arbeit zum Wohle der Bürger zu leisten.

 

Gerade am Tag der Deutschen Einheit sollten sich alle Bürger darüber im Klaren sein, dass die Volksparteien die Grundlagen der Demokratie bildeten, so Bürgermeister Karl-Heinz Joseph. In den zurückliegenden 80 Jahren habe es in Walldürn immer wieder engagierte Mandatsträger gegeben, die kontinuierliche Arbeit im Gemeinderat leisteten. Mit Solidarität, Toleranz, Liberalität und Selbstverantwortung sei das Beste für die Stadt und ihre Bürger geleistet worden.