1918 - 1927

Revolution und demokratischer Aufbruch . . .


17. November 1918

Volksversammlung 1918


Die „Mannheimer Volksstimme“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 18. November 1918 über eine „Volksversammlung“, die in der Aula der Volksschule stattfand und in deren Anschluss die Gründung eines „Sozialdemokratischen Vereins“ beschlossen wurde.

„Walldürn, 18. Nov. Nunmehr hat die Sozialdemokratie auch hier in Walldürn ihren Einzug gehalten. Gestern fand eine von unserem Parteigenossen Englert einberufene Volks-versammlung in der Aula des Schulhauses statt, die mehrere hundert Teilnehmer aufwies.

Unter stürmischer Zustimmung der Versammlung unterzog der als Redner erschienene Stadtrat Meier–Heidelberg die Sünden der bisherigen deutschen Herrenkaste einer vernichtenden Kritik. Nur die Revolution habe Deutschland vor dem völligen Untergang retten können.

Nunmehr gelte es die Errungenschaften der Revolution zu befestigen und Deutschlands Verfassung im demokratisch-sozialistischem Sinne auszubauen. Anschließend an das Referat wurde die Gründung eines Sozialdemokratischen Vereins beschlossen, dem sofort 63 Mitglieder beitraten. Ein Zeichen, dass nunmehr auch das Frankenland erwacht!“

1. Mai 1919

Tag der Arbeit - Maifeier 1919

Die Tatsache, dass lange das Jahr 1919 als Gründungsjahr des SPD-Ortsvereins Walldürn angenommen wurde, beruht auf einem Ereignis, das am 1. Mai 1919 auf der Walldürner „Heide“ stattfand.

Mit Parolen, wie „Nie wieder Krieg“ oder „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zog die Arbeiterschaft Walldürns mit großer Unterstützung auch von auswärts zu einer Maikundgebung auf die Walldürner „Heide“.

Ziel des Protestmarsches war ein Gedenkstein, der ursprünglich für den Badischen Prinzen, der in Walldürn an einem Militärmanöver teilgenommen hatte, aufgestellt wurde - heute erinnert er an den Heimatforscher Hans Eckstein. 

Als Zeichen, dass eine neue Zeit angebrochen war und wohl auch als Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins der Arbeiterschaft wurde der Gedenkstein der Monarchie umfunktioniert, indem man die Worte „Maifeier 1919“ einmeißelte. Die Inschrift sollte später im Dritten Reich wieder entfernt werden.

Einer der damaligen Organisatoren war der Bahnbedienstete Julius Götz.

Weitere Sozialdemokraten der ersten Stunde waren Josef Heilmann, Theodor Frei, Ferdinand Fieger, Anton Gerold und Josef Schell.

1922 - Wahl zum Bürgerausschuss

Vereinigte Arbeiterschaft

In ihren Anfangsjahren war die Walldürner Arbeiterschaft noch in zwei Gruppierungen gespalten. Die Gründungsmitglieder des Sozialdemokratischen Ortsvereins traten bei der Wahl zum Bürgerausschuss als „Vereinigte Arbeiterschaft“ an.

Bei der Wahl zum Bürgerausschuss im Jahr 1922 schlossen sich den Sozialdemokraten auch Nichtmitglieder der SPD an, so dass man bei der Wahl als „Vereinigte Arbeiterschaft“ antrat. Von den insgesamt 28 zu vergebenden Sitzen im Walldürner Bürgerausschuss erreichte die „Vereinigte Arbeiterschaft“ sechs Sitze. Neben der „Vereinigten Arbeiterschaft“ gab es eine zweite Liste, die politisch links von der SPD stand, die „Arbeiterpartei“, die sogar elf Sitze im Bürgerausschuss für sich gewann.

Weshalb es zwei Listen der Arbeiterbewegung gab kann heute nur noch vermutet werden. Aus älteren Unterlagen geht hervor, dass die „Spaltung der Walldürner Arbeiterbewegung – aus lokalen Gründen – auch noch 1926“ bestand.     

14. November 1926

Sozialdemokratische Partei - Wahl der Gemeindeverordneten

Zwar war die Arbeiterbewegung in Walldürn immer noch gespalten, die Sozialdemokraten traten bei den Wahlen der Gemeindeverordneten am 14. November 1926 erstmals als „Sozialdemokratische Partei“ an.

Erstmals trat die SPD als Liste 1 „Sozialdemokratische Partei“ bei der Wahl der Gemeindeverordneten am 14. November 1926 an. Daneben gab es noch eine „Allgemeine Arbeiterliste“. Immer noch wurde die Liste von Arbeitern, Steinhauern, Holz- und Waldarbeitern sowie Bahnarbeitern geprägt. Mit dem jungen Hauptlehrer Fridolin Bischof öffnete sich die Arbeiterpartei bürgerlichen Kreisen.

Fridolin Bischof war schon vor seiner Versetzung nach Walldürn am 17. November 1918 in Überlingen in die SPD eingetreten, weil er sich für die Rechte der ärmeren Bevölkerung und der sozial benachteiligten einsetzen wollte. Ihm, so wird angenommen, ist es auch gelungen die bisher gespaltene Arbeitnehmerbewegung Walldürns zu einen.

 

1927

Einigung der Arbeiterbewegung

Seit 1927 wurden von den einst getrennten Gruppen der Arbeiterbewegungen unter dem einigenden Dach der SPD nur noch einheitliche Listen zu Wahlen vorgeschlagen. Heinrich Trunk, der vor der Einigung auf der „Arbeiterliste“ kandidiert hatte, übernahm sogar von 1929 an das Amt des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden in Walldürn.

Mit Fridolin Bischof, Heinrich Trunk und Wilhelm Schneider stellte die SPD drei der elf Mitglieder des Gemeinderats, der damals noch nicht von der Bevölkerung direkt, sondern vom Bürgerausschuss gewählt wurde.

Auch über die Ortsgrenzen Walldürns hinaus engagierten sich Walldürner Sozialdemokraten politisch. So vertrat Josef Heilmann von 1939 bis 1933 die Interessen seiner Heimatstadt im Bezirksrat des Landkreises.


1928 - 1932

Demokratische Verantwortung


Mit der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise griffen auch wieder Arbeitslosigkeit und Armut um sich und fordernden von den Walldürner Sozialdemokraten mehr als nur kommunalpolitisches Engagement.   

Angesichts der um sich greifenden Not waren Fürsorgemaßnahmen für sozial schwache Mitglieder und Nahestehende geboten. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Ortsgruppe des Reichsbundes (heute „Sozialverband Deutschland e.V.“), der zu den ältesten sozialpolitischen Verbänden Deutschlands zählt.

Die Gründung der Ortsgruppe des Reichsbundes in Walldürn war maßgeblich von Sozialdemokraten, wie Fridolin Bischof und Josef Heilmann betrieben worden.

Josef Heilmann sollte sich über 50 Jahre im Reichsbund als Betreuer der Kriegsopfer und sozial benachteiligten engagieren und hierfür im Jahr 1973 zum Ehrenvorsitzenden ernannt werden.


1933 - 1945

Widerstand und Verbot